Asgard Bestattungshaus Rostock und Seebestattung Hohe Düne GmbH
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Samstag, 28. Mai 2005
Im Dienst als Seebestatter

Wenn die Rostocker Kapitäne Detlev Brandt und Bernd Lohmann ihre Uniformen anlegen, sind sie im Dienst als Seebestatter.

Kurz vor zehn im Rostocker Stadthafen:
Eine Gruppe schwarz gekleideter ...

Seebestattung - Ostsee
Auf letzter Fahrt
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... Frauen und Männer hat sich am Kai versammelt.
Ein Tag zum Abschiednehmen für sie. Abschied vom Ehemann, Vater, Freund und Arbeitskollegen. Der geht heute auf seine letzte Fahrt. Sein Wunsch war eine Seebestattung.

Bestatter mit Kapitänspatent

Für die Kapitäne Bernd Lohmann und Detlev Brandt (beide 53) begann der Arbeitstag schon vor zwei Stunden. Anruf bei der Wettertonne in der Ostsee vor Warnemünde. Die Vorhersage von Windstärke und Seegang stimmt zuversichtlich. Kapitän Brandt wirft einen prüfenden Blick in den Maschinenraum. Lohmann, schon in Kapitänsuniform, trifft letzte Vorbereitungen an Deck. Er platziert die Blumen, zündet Kerzen an und stellt die Urne auf eine spezielle Halterung an der Backbordseite. Dann begrüßen Detlev Brandt und Bernd Lohmann - beide Seebestatter mit Kapitänspatent - die Trauergesellschaft an Bord der „RUGARD“.

Seebestattungen - zunehmend beliebter

Seebestattungen sind längst nicht mehr so außergewöhnlich wie noch vor zehn Jahren. „Heute sind es jährlich etwa 9.000 Deutsche, die verfügen, dass ihre Urne dem Meer übergeben werden soll. Das sind etwa ein Prozent aller Bestattungen“, sagt Kerstin Gernig vom Bundesverband Deutscher Bestatter. Und es sind längst nicht mehr nur Seeleute, Kapitäne oder Prominente, die sich ein Grab auf hoher See wünschen. Ein besonderes Verhältnis zur See, die Faszination des Meeres, die Symbolik von Unendlichkeit – es gibt viele Gründe, diesen Weg der Bestattung zu wählen.
Entlang der deutschen Küste gibt es etwa 20 Anbieter. Auch in Mecklenburg-Vorpommern fahren heute von Wismar bis Sassnitz täglich Schiffe aufs Meer, um Verstorbene zur letzten Ruhestätte zu geleiten.

Berufsethik steht ganz oben

Lohmann und Brandt sind schon seit 1993 Seebestatter.
Kennengelernt haben sich die beiden in den 70er-Jahren bei der Volksmarine. Nach der Wende mussten sie sich beruflich neu orientieren. Brandt: „Wir hatten keine Berührungsängste. Uns war klar, dass wir zurück aufs Wasser wollten. Und dass man sich, um beruflich zu überleben, eine Nische suchen muss.“ Sie kauften ein 23 Meter langes Schiff, das bei der Fischereiaufsicht gedient hatte. Die „Rugard“ wurde komplett überholt und für Bestattungen umgestaltet. „Für die Angehörigen besteht die Vorstellung von einer würdigen Zeremonie nicht aus einem Fischkutter und einem Käpt'n im Rollkragenpulli, der wortlos die Urne ins Wasser lässt“, erklärt Lohmann.

Feierlich und lebenszugewandt

Es ist 10.15 Uhr. Die Trauergesellschaft hat im beheizten Aufenthaltsraum Platz genommen. Man rückt eng aneinander, trinkt einen Kaffee und ist in Gedanken beim Verstorbenen. Zwölf Gäste dürfen an Bord.
So verschieden, wie die Menschen sind, so verschieden sind auch die Abschiede. Manchmal ist es ganz still und feierlich, manchmal wird leise mitgesummt beim letzten Musikwunsch, beispielsweise dem Hans-Albers-Klassiker „La Paloma“. Manchmal bringt eine Anekdote aus dem Leben des Verstorbenen das Lachen zurück. „Wir hatten auch schon Gewehrsalven an Bord, weil der Verstorbene ein Jäger war“, erzählt Lohmann.

Kurs „Seefriedhof“

Bis zum Friedhof auf hoher See braucht die „Rugard“ etwa 30 Minuten. Die Positionen, die die Schiffe anlaufen, um die Urnen dem Wasser zu übergeben, sind vom Staatlichen Amt für Umwelt und Natur (STAUN) genau vorgeschrieben.
Für den Bereich Rostock befindet sich die Stelle etwa drei Seemeilen vor Warnemünde. Joachim Holz vom STAUN Rostock: „Wir achten darauf, dass die Positionen eingehalten werden. Schließlich soll der Tourismus an der Warnemünder Küste von den Bestattungen nicht beeinflusst werden.“

Niemals geht man so ganz ...

Das Schiff hat jetzt die Position erreicht, jeder tritt noch einmal an die Urne und verabschiedet sich. Kapitän Lohmann hält eine letzte Rede auf den Verstorbenen: „Wir haben dich ein kleines Stück auf deinem Weg begleitet“, sagt er und am Ende: „Niemals geht man so ganz . . .“ Dann nimmt er die Urne und lässt sie an einem Seil ins Wasser gleiten.
Statt Kirchenglocken ertönen nun acht Glasen der Schiffsglocke. Das Zeichen des traditionellen Wachwechsels der Seeleute. Noch eine letzte Ehrenrunde des Schiffes und ein langer Ton mit dem Typhon ...

Nach zwei Stunden hat die „Rugard“ ihren Liegeplatz im Rostocker Stadthafen wieder erreicht. Die Kapitäne machen ihr Schiff für die nächste Fahrt klar. Auch der nächste Törn wird für jemanden die letzte Reise sein, und schon nach drei Tagen wird sich die Urne im Wasser aufgelöst haben, dann hat Natur wieder ganz zur Natur gefunden.
Was bleibt ist die Erinnerung, denn niemals geht man so ganz ...


(veröffentlicht in der Ostsee-Zeitung am 05.11.04)
Mit freundlicher Genehmigung zur Publizierung auf dieser WebSite von der Autorin Leonore Lötsch frei gegeben.


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